24. Juli 2021

Abendgebet vor der Sommernacht. Die mahnende Wacht am Wendehammer.

Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als der Wächter auf das Morgenrot…

Seit über einem Jahr gibt es unsere Mahnwache am Wendehammer in Lützerath. Angemeldet, nachdem die Landstraße zwischen Lützerath und Keyenberg zerstört wurde und dieser Ort hier zu einem Ort wurde an dem die Welt, wie wir sie hier kannten, zu enden schien.

 

Das vollständige Abendgebet findet sich hier.

 

Update zur Eibenkapelle

Ehemaliges Kapellengrundstück in Immerath

Dieses Schreiben, das eine Mitglieder von "Die Kirche(n) im Dorf lassen" als Antwort vom Bistum Aachen erhalten hat, hört sich beim ersten Lesen sehr gut an. Wenn man es aber aufmerksam ein zweites Mal liest, und sich fragt, was genau denn wirklich verbindlich zugesagt wird, dann kommt es schon deutlich schlechter weg.

 

Sehr geehrte Frau […],

herzlichen Dank für Ihre Anfrage bezüglich des Grundstückes Gemarkung Immerath, Flur 12, Flurstück 15.

Eigentümer des von Ihnen benannten Grundstücks in Erkelenz-Lützerath ist die Pfarrei Christkönig Erkelenz, nicht das Bistum Aachen. Der Kirchenvorstand Christkönig Erkelenz hat Ihren Antrag ebenso erhalten. Er hat mit Blick auf die Leitentscheidung der NRW-Landesregierung vom März diesen Jahres entschieden, dass Grundstück nicht zu verkaufen. Da, so der Kirchenvorstand Christkönig in seiner Einschätzung, mit der neuen Leitentscheidung davon auszugehen ist, dass die Dörfer bestehen bleiben, ist die Kirchengemeinde daran interessiert, die Fläche zu erhalten.

Eine endgültige Entscheidung ist allerdings mit der Leitentscheidung erst einmal vertagt. Bischof Dr. Helmut Dieser sieht dies mit tiefer pastoraler Sorge mit Blick auf die Situation der Menschen in Erkelenz und Umgebung. Er fordert eine wesentlich frühere Entscheidung für den Erhalt der bedrohten Orte und für einen breit angelegten Prozess der Neugestaltung. Zugleich wird das Bistum aber weiterhin auch die Umsiedler beim Aufbau der neuen Orte und bei der Gestaltung des

Miteinanders unterstützen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Marliese Kalthoff

 

Die Kirche wäre hier in der Pflicht, verläßliche und eindeutige Aussagen zu machen, um den Menschen in den Dörfen Sicherheit zu geben.

Ankündigung

„Wir sind noch nicht im Festsaal angelangt, aber wir sind eingeladen“ (Ernesto Cardenal)

Einladung zum „Gottesdienst an der Kante“ am Sonntag, 01.08.2021 zur Ankunft des„Kreuzwegs für die Schöpfung“ vom Wendland ins Rheinland

 

Am Sonntag, den 1. August wird der 500 km weite „Kreuzwegs für die Schöpfung“ vom Atommülllager Gorleben im Wendland nach Lützerath im Rheinland an der Garzweiler

Tagebaukante ankommen. Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ empfängt den Kreuzweg gemeinsam mit vielen anderen unter Koordination der Initiative „Alle Dörfer bleiben“ (ADB) an der unmittelbar von der Entwidmung bedrohten Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg. „Die Kirchen im Dorf lassen“ geht die letzte Strecke bis Lützerath mit. Dort wird auf dem Grundstück einer einstigen Kapelle und eines späteren Wegkreuzes das Pilgerkreuz feierlich aufgestellt werden.

Der Gottesdienst wird, wie bei Pilgerkreuzwegen üblich, an mehreren Stationen aufgeteilt stattfinden:

  • 15:00 Uhr Empfang in Keyenberg vor der Kirche mit Grußadressen unterstützender Organisationen (Koordination durch ADB), anschließend
  • Prozession nach Lützerath (Strecke: 3,5 km;)
  • 17:00 Uhr Mahnwache Lützerath,
  • 18:00 Uhr Kapellengrundstück Lützerath.

Links

Infos zum „Kreuzwegs für die Schöpfung“.

Beitrag des Domradios zum Start des Kreuzweges.

Aktualisierte Infos zum Ablauf der Veranstaltung auf Twitter.

 

Bei Teilnahme bitte auf Abstand achten, FFP2- oder medizinische Masken verwenden,

Coronaschutzverordnung des Landes befolgen und auf aktuelle Hinweise zur Coronastufe im

Land achten.

 

Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als der Wächter auf das Morgenrot…

Gottesdienst am 24. Juli 2021:

Ein Jahr Mahnwache, ein Jahr MahnwächterInnen in Lützerath an der L277

Die Initiative „die Kirchen im Dorf lassen“ beging in einem kleinen Gottesdienst am Wendehammer in Lützerath den Gedenktag der Begründung der Lützerather Mahnwache.

Neben HirtInnen sind WächterInnen ein wiederkehrendes Bild der Bibel. Die Sehnsüchte der WächterInnen werden im Psalm 130 zum Inbegriff des kurzfristig unerreichbar Scheinenden, das dann gleich dem Morgenrot irgendwann doch mit Gewissheit kommt/eintritt. „Und er (Gott) wird Israel erlösen aus all seinen Sünden“. So wie die nächtlichen Wächter in Israel müssen auch die WächterInnen von Lützerath gegen ihren eigentlichen Rhythmus wachsam sein, abhängig davon wann und wie die Bagger kommen. Doch wir hoffen mit ihnen auf die Verheißung einer Erlösung von der Klimakrise … und sind ihnen und allen, die in Lützerath für den Heimatplaneten wachsam sind, dankbar.

Vom Gottesdienst gibt es ein Video, der beeindruckende Redebeitrag der Mahnwache ist hier nachzulesen.

20. Etappe des Kreuzwegs für die Schöpfung: Beckum nach Hamm, 23.7.21

... und wieder Polizei

Polizeieinsatz Schloss Oberwerries bei Hamm: Mitglied von “Christians for Future Aachen” erlitt Kopfverletzung.

 

Es sollte eine ruhige und gemütliche Etappe durch die Natur werden...

...aber der Weg von friedlich zu gewalttätig war nicht lang.

 

 

Die schnell eingetroffene Polizei erklärte, dass die Andacht auf dem Kreuzweg keine religiöse Veranstaltung sei. Sie sei eine nicht angemeldete, und daher illegale, Demonstration. Sie drohte mit "Abräumung", falls die Pilger ihren Marsch fortsetzten. Zitat der Polizei: “Dann holen wir eben eine Hundertschaft und räumen Sie hier ab.”

Negen Jansen von “Die Kirche(n) im Dorf lassen” hielt die Andacht zum diesjährigen Hungertuch von Misereor und Brot für die Welt, das künstlerisch verfremdet den von der Polizei gebrochenen Fuß eines chilenischen Schuljungen zeigt, der dafür demonstrierte, in in die Schule gehen zu können.

Während der Andacht verlangte die Polizei die Personalien von Jonas, dem “Kreuzträger”. Als dieser sich nach längerer Diskussion umwendet, um seinen Personalausweis zu holen, wurde er von Poizisten umringt und in Gewahrsam genommen. Einer der Polizisten sagte: “Den separieren wir!”

Alle Bilder: Kreuzweg-Gorleben-Garzweiler.de

 

Die Polizei beanstandete unter anderem sowohl das Misereor Hungertuch als auch das Zitat von Papst Franziskus, “Diese Wirtschaft tötet”, als eindeutig politisch und keinesfalls religiös und sofort zu entfernen. Und zwar auch, nachdem sie auf den Aufdruck “Misereor – Brot für die Welt” auf dem Hungertuch und die Quelle des Zitates, Papst Franziskus, hingewiesen wurden.

Der bekannte Waldpädagoge Michael Zobel versuchte erfolglos, mit der Polizei zu verhandeln und wurde stattdessen in Handschellen zur Personalienfeststellung abgeführt. Nach einigem Hin und Her führte die Polizei unter ausdrücklicher Androhung des Einsatzes von Pfefferspray einen “Zugriff” durch.

Bei diesem Zugriff wurden ein Rentnerpaar von “Christians for Future Aachen” so heftig auf den Asphalt gestoßen, dass eine Frau ein Loch im Kopf davon trug, das später in Hamm ärztlich aufgenommen wurde. Ihr Ehemann erlitt einen Schock. Die Bitte der Pilger an die Polizei, einen Sanitäter für die bewußtlos am Boden liegende Rentnerin zu besorgen, wurde barsch abgelehnt. Die Polizei weigerte sich ausdrücklich, erste Hilfe zu leisten.

Erst als der herbeitelefonierte Pfarrer Ludger Schlotmann aus Beckum eintraf, entspannte sich die Lage. Nach viel zu langer Zeit erkundigte sich auch die Polizei bei dem Rentnerpaar von “Christians for Future Aachen”, ob ein Sanitäter gebraucht würde, was diese aber ablehnten, weil sie Pfarrer Schlotmanns Angebot, sie nach Hamm zu fahren, angenommen hatten.

Dem Rest der Pilgergruppe wurde schließlich erlaubt, ihren Kreuzweg weiter zu gehen. Das Mitführen und Zeigen von politischen Fahnen und Transparenten wurde jedoch ausdrücklich verboten (auch das Misereor Hungertuch und das Papst Franziskus Zitat). Die Polizei beschlagnahmte dann noch ein Handy ohne Beschlagnahmeprotokoll.
Am Ende machten sich die Pilger als geschlossene Gruppe nach Hamm auf, während die Fahrzeuge wegen der beschlagnahmten Fahrzeugschlüssel an Ort und stelle bleiben mussten.
Während die Gruppe unterwegs ist, wird Kreuzträger Jonas aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Eine entsprechende Pressemitteilung kann hier nachgelesen werden. Den Offenen Brief des Pilgers Jürgen Blüer an den Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Marc Herter, findet sich hier.

Polizei stoppt Kreuzweg in Hamm

Auf ihrem Weg zum heutigen Etappenziel Hamm wurde die Pilgergruppe des Kreuzwegs für die Schöpfung von Gorleben nach Garzweiler von der Polizei brutal gestoppt. Die Kirche(n) im Dorf lassen hat dazu eine PM versendet, ihr findet sie hier.

17. Etappe des Kreuzwegs für die Schöpfung: Stromberg nach Beckum, 22.7.21

Gottesdienst in Stromberg

Pater Davis und Pfarrerin Melanie Erben hielten gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst in der Stromberger Wallfahrtskirche. Anschließend begleiteten die beiden die Pilgergruppe auf der Etappe nach Beckum.

 

Von diesem Gottesdienst gibt es auch ein Video.

16. Etappe des Kreuzwegs für die Schöpfung: Gütersloh nach Rheda-Wiedenbrück, 20.7.21

Andacht vor der Tönnies Massenschlachterei

Mit nur 10 km ist die Etappe von Gütersloh nach Rheda-Wiedenbrück die kürzeste des gesamten Kreuzwegs für die Schöpfung. Doch dieser Spaziergang durch die grüne Natur konnte niemanden auf das vorbereiten, was die Pilger an seinem Ende erwartete: Tönnies – die größte Schlachterei Europas. Ein Ort an dem man die Gewalt regelrecht körperlich spüren kann.

Es gibt dort keinen öffentlichen Grund, darauf zu stehen und seine Grundrechte auf Demonstration oder Andacht auszuüben. Recht schnell war auch die Polizei da und machte klar: Aller Parkplatz gehört Tönnies und ist nicht zu betreten. Der Radweg hat freizubleiben. Die Autos auf der Straße dürfen nicht oder irritiert werden.

Als ihnen klar wurde, dass sie die Pilger schon festnehmen und das Kreuz beschlagnahmen müssen, um das durchzsetzen, ließ sich die Polizei auf einen Kompromiß ein: Die Autos kommen weg, die Fahnen und Plakate werden zurückgenommen. Dafür darf auf dem Grünstreifen gepicknickt werden.

Abschließend betonte ein Polizist noch, dass dies aber nur so lange gälte, wie die Öffentlichkeit sich nicht beschwere. Die Nachfrage, ob man “Öffentlichkeit” in diesem Fall mit “Tönnies” übersetzen dürfe, bejahte er.

Die Andacht gestalteten die Pilger gemeinsam mit Animal-Save-Movement, IG WerkFAIRträge, Bündnis gegen Tönnies-Erweiterung, Parents for Future Rheda-Wiedebrück und der Linken. Die örtlichen Aktivist*innen vermuteten, dass es den Kirchen in Rheda-Wiedenbrück zu heikel war, öffentlich gegen den reichsten und einflußreichsten Mann der Stadt aufzutreten.

Interessant waren die Reaktionen der bei Tönnies Arbeitenden: Die Rumän*innen und Bulgar*innen, die hier mit Werksverträgen ausgebeutet werden, bis sie erschöpft sind und durch neue ersetzt werden, reagierten durchweg positiv. Einzelne fragten um Hilfe und juristischen Beistand. Die gutbezalhten deutschen Führungkräfte dagegen gestikulierten wild empört hinter den Steuerrädern ihrer SUVs und BMWs.

 

Das Wort von Papst Franziskus: “Diese Wirtschaft tötet” wirkt an wenigen Orten so stark, wie hier.

Einige Menschen beschwerten sich, dass die Schweine-Performance ihre Kinder traumatisieren würde. Dabei ist sie nur der Versuch, annähernd sichtbar zu machen, was hier passiert:

Jeden Tag werden hier 30.400 Tiere getötet. Das sind über 1.250 in der Stunde. In der Zeit, in der die Pilger vor Tönnies waren, sind dort über 6.000 Tiere umgebracht worden. Und über 1.000 weiter haben den Schlachthof erst gar nicht lebend erreicht.

 

Stichwort Klimagerechtigkeit: Selbst wenn einem Tierwohl, großflächige Landschaftszerstörung durch Futtermittelanbau und (un)faire Arbeitsbedingungen egal sind:

Etwa 25% unseres CO-2-äquivalents verursachen wir durch unsere fleischlastigen Essgewohnheiten. Wirksamer Klimaschutz ist ohne eine Ernährungswende unmöglich.

Mensch kann also auch aus reinem Egoismus, oder liebe zu den eigenen Kindern gegen dieses Schweinesystem sein.

Ein Jahr Mahnwache, ein Jahr MahnwächterInnen in Lützerath an der L277

Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als der Wächter auf das Morgenrot…

Einladung zum Gottesdienst am 24. Juli 2021

Die Initiative „die Kirchen im Dorf lassen“ begeht in einem kleinen Gottesdienst am 24.7.2021 um 17 Uhr am Wendehammer in Lützerath den Gedenktag der Begründung der Lützerather Mahnwache. Neben HirtInnen sind WächterInnen ein wiederkehrendes Bild der Bibel. Die Sehnsüchte der WächterInnen werden im Psalm 130 zum Inbegriff des kurzfristig unerreichbar Scheinenden, das dann gleich dem Morgenrot irgendwann doch mit Gewissheit kommt/eintritt. „Und er (Gott) wird Israel erlösen aus all seinen Sünden“. So wie die nächtlichen Wächter in Israel müssen auch die WächterInnen von Lützerath gegen ihren eigentlichen Rhythmus wachsam sein, abhängig davon wann und wie die Bagger kommen. Doch wir hoffen mit ihnen auf die Verheißung einer Erlösung von der Klimakrise … und sind ihnen und allen, die in Lützerath für den Heimatplaneten wachsam sind, dankbar. Dies wollen wir in einem kleinen Gottesdienstfest feiern.

 

Trotz aller Lockerungen bitten wir: Tragt im engeren Kontakt mit anderen BesucherInnen eine Alltagsmaske, bildet Fahrgemeinschaften nur innerhalb Eurer Hausgemeinschaft und tragt Euch in die Nachverfolgungslisten ein!