Einladung zum Gottesdienst an der Kante:

Kein Tanz ums Goldene Kalb

Gottesdienst des Lebens statt Götzenkult der Zerstörung

 

Sonntag, 2. August 2020, 18 Uhr an der Mahnwache Lützerath

auf dem Wendepunkt der L277

 

Die Zerstörung von Landschaften, Dörfern und letztlich auch des Klimas durch den Tagebau folgt der herrschenden Logik einer alternativlosen Notwendigkeit, der sich alles unterzuordnen hat. Diese Logik wird (scheinbar!) plausibel gemacht z.B. durch das Dogma der billigen Energiesicherheit oder des wirtschaftlichen Standortvorteils durch die Braunkohle. Diese Logik bestimmt und unterwirft das Handeln all derer, die sie selbst erst geschaffen haben!

 

Biblisch gesprochen ist dies die Logik des Götzendienstes: Menschen unterwerfen sich dem, was sie selbst geschaffen haben. Es nimmt Macht über sie ein. Dagegen stellt die jüdisch-christliche Tradition den Gott des Lebens, der eben nicht zur Unterwerfung zwingt, sondern der befreit und das gute Leben in Fülle für alle ankündigt. Statt einem Götzendienst der Zerstörung, der Sachzwänge und der Unterwerfung zu huldigen, setzen wir den Gottesdienst an diesem guten Leben in Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden.

 

Trauen wir uns, der Unterwerfung die Hoffnung entschieden entgegen zu halten!

 

 

 

Mahnwache von "Die Kirche(n) im Dorf lassen" an der L277 bei Lützerath

 

Seit dem 22. Juli unterhält die „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ bei Lützerath im Rheinischen Braunkohlerevier eine Mahnwache. Damit wollen wir ein Ort schaffen, an dem sich Menschen aus den bedrohten Dörfern und angereiste Interessierte und für Klimaschutz Engagierte treffen können und gemeinsam ein politischen Zeichen setzen.

 

Anlass ist der am 20. Juli begonnene Abriss der Landstraße L277, die bisher die Schutzlinie für die bedrohten Dörfer Berverath, Keyenberg, Kuckum, Lützerath, Oberwestrich und Unterwestrich am Tagebau Garzweiler war.  Seitdem gibt es Protestaktionen, z.B. von den Gruppen „Junepa“, „Kohle ersetzen“ und dem Bündnis "Ende Gelände", gegen diese Abrissarbeiten durch RWE.

Schon an den drei letzten Sonntagen hat „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ Gottesdienste auf der L277 gefeiert: Die liturgische Nachtwache "Bleibet hier und wachet mir mir", den Gottesdienst "Emmaus liegt bei Lützerath". und "Kein Tanz ums Goldene Kalb". Zahlreiche Dorfbewohner*innen und Unterstützer*innen haben daran teilgenommen. Auch am kommenden Sonntag, den 9. August wird es im Anschluss an den Dorfspaziergang des Bündnisses "Alle Dörfer bleiben" um ca. 16:00 Uhr einen weiteren Gottesdienst geben.

 

 

Warum sind wir dort?

Wir haben die Mahnwache als Ausgangspunkt des Protest und als Ort der Begegnung hier im Hotspot der Klimazerstörung eingerichtet, weil es aus unserem christlichen Selbstverständnis heraus notwendig ist, hier am Ort des Geschehens präsent zu sein. Wir möchten hier einen Raum für Kreativität, Begegnung und die Sichtbarkeit der Klimabewegung schaffen, der die unterschiedlichsten Menschen anziehen kann. Wir wollen es nicht länger zulassen, dass die sinnlose Zerstörung der Schöpfung weiter fortgesetzt wird. Die Bagger müssen endlich stillgestellt werden. Und bedarf bis auf weiteres unseres Engagements und unserer Solidarität. Deshalb rufen wir dazu auf, sich an den Klimaprotesten in der Braunkohleregion zu beteiligen.

Helmut Kehrmann, Bewohner von Keyenberg und ebenfalls engagiert bei „Die Kirche(n) im Dorf lassen“: "Es ist ein Skandal, wie RWE täglich neue Fakten schafft und damit demonstriert, dass der Kohleausstieg im Jahr 2038 in weiter Ferne lieg. Wir werden unsere Dörfer aber nicht einfach aufgeben für diesen Konzern, sondern ihm weiterhin die Stirn bieten. Der Slogan "Alle Dörfer bleiben" ist keine Durchhalteparole, sondern ein Aufruf, an dem wir festhalten!"

Die Kirche(n) im Dorf lassen

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ kämpft für den Erhalt der bedrohten Kirchen im Rheinischen Braunkohlerevier und betrachtet diesen Einsatz als untrennbar verbunden mit dem  Kampf für globale Klimagerechtigkeit.

Dörfer schützen

Die Initiative entstand aus dem lokalen Widerstand gegen den lebensfeindlichen Tagebau  in den bedrohten Dörfern. Die Bilder der Zerstörung des Immerather Domes gingen um die Welt, und immer noch droht nach aktuellen Plänen von RWE und Bundesregierung – und entgegen den Empfehlungen der Kohlekommission - vier weiteren Kirchen der Abriss: Manheim, Kuckum, Keyenberg und Berverath.

Überregional wurde sie mit einer Unterschriftenaktion u.a. auf dem Katholikentag 2018 bekannt:Sie forderte die Bischöfe von Köln und Aachenauf, die von den Baggern bedrohten Kirchen nichtzu entwidmen, sie nicht an RWE zu verkaufen, sondern sich nur einer gerichtlich verfügten Enteignung zu beugen – und sich so mit den Menschen in den bedrohten Dörfern zu solidarisieren. Die Bischöfe verweigerten die Annahme der knapp viertausend Unterschriften, die Kirchen sind inzwischen alle an RWE verkauft worden.


Der besondere Blick auf Kirchen (als Gebäude) und Kirche (als Institution ebenso wie als Gemeinschaft) forderte schnell eine eigene Struktur, eigene Aktionsformen und Sprache. Menschen engagieren sich für die Kirchen aus unterschiedlichsten Gründen: Für die einen sind sie Symbol traditionell dörflicher Gemeinschaft, andere betrachten sie als schützenswertes Kulturgut. Und viele schützen die Kirchen aus religiöser Überzeugung heraus.

Schöpfung bewahren

Über den konkreten Einsatz für die bedrohten Kirchen hinaus verstehen wir uns als Teil der weltweiten Bewegung für globale Klimagerechtigkeit. Dies tun wir aus ökologischen, globalisie-rungskritischen und auch aus religiösen Beweggründen. Denn für die Christ*innen unter uns hat Naturzerstörung einen zusätzlichen, religiösen Aspekt: Sie ist nicht nur Vernichtung von „Umwelt“, von Lebenschancen späterer Generationen oder Menschen in anderen Teilen der Welt. Sie ist auch Zerstörung von Gottes Schöpfung, Zurückweisung seiner Fürsorge, Bruch des Bundes – berührt also das Zentrum christlichen Glaubens.

Für eine christliche Klimabewegung

Daher verstehen wir uns explizit auch als Teil einer neuen, erklärt christlichen Klimabewegung. Sie existiert längst, zeigt sich in vielfältigen Aktionen, ob auf lokaler Ebene, in Gemeinden, in- und außerhalb kirchlicher Strukturen, spektakulär mit Gottesdiensten und Sitzblockaden im Hambacher Wald oder eher diskursiv bei der „Klimasynode von unten“. Diese Ansätze wollen wir – über regionale Grenzen hinaus – sichtbar machen und mit eigenen Aktionen fortführen und stärken.


Eine neue Ökumene

Ist eine sichtbare christliche Klimabewegung nicht Spaltung, Sektierertum? Wir denken: im Gegenteil. Dieser Kampf braucht alle Kräfte, unseren ganzen Einsatz. Aber das gemeinsame Ziel darf und muss unsere Verschiedenheit nicht ausblenden: So wie in den 80ern die christlichen Friedensgruppen sichtbarer und tragender Bestandteil der Friedensbewegung waren, stellen sich auch heute Christ*innen in den Rahmen der globalen Klimabewegung.
„Wir wollen für ein neues Verständnis von Ökumene ein­stehen: die Gemeinschaft all derer, ChristInnen wie Nicht-ChristInnen, die sich dafür einsetzen, dass diese Erde bewohnbar bleibt, die ein gutes Leben für alle erkämpfen wollen. Dafür ist organisierter Widerstand durch Soziale Bewegungen „von unten“ wichtig, im Rheinland, in Europa, weltweit.“

(Abschlußerklärung der Klimasynode von unten, Dü­ren 2019)