Aktuelles

Anläßlich des vierten Jahrestags der Zerstörung des Immerather Doms:

Gedenk-Kreuz für Immerath

8.1.22

Im Rahmen des heutigen Dorfspaziergangs und anläßlich des vierten Jahrestags der Zerstörung des Immerather Doms hat "Die Kirche(n) im Dorf lassen" heute ein Kreuz aufgerichtet. Nicht auf dem Platz des abgerissenen Domes, der ist uns inzwischen unerreichbar; aber an der alten Abzweigung von Lützerath Richtung Immerath, im Tagebauvorfeld.

 Fotos oben und unten: Barbara Schnell

Mitte: UPA

 

Und zeitgleich wurde das Dach des letzten von RWE "besetzten" Hauses übernommen, die Türen geöffnet! Die dort einquartierten Security-Mitarbeiter packten in Ruhe ihre Sachen (mit Unterstützung der Aktivistis) und fuhren winkend davon. Was für ein schöner Tag!

Einladung zum Sternsingen an der Kante

„Gott segne dieses Haus und alle die dort gehen ein und aus“

Donnerstag, 6. Januar 2022, 11 h in Lützerath an der Eibenkapelle

 

Am Festtag Dreikönig ziehen seit Jahrhunderten Sternsinger*innen von Haus zu Haus, um die Häuser und die in ihnen lebenden Menschen singend zu segnen. Dieser alte Brauch der Häusersegnung und der Solidarität erinnert an die Gaben, die die drei Sterndeuter dem neu geborenen Befreier im Stall brachten und dabei erkannten, dass es eine Hoffnungsperspektive in dieser Welt geben kann. Diese Hoffnung möchten wir mit dem Sternsingersegen im Rahmen eines Gottesdienstes zu den noch verbleibenden Häusern in Lützerath bringen. Denn wir halten daran fest. Lützerath lebt und Lützerath kann ein Segen sein!

Corona: Angesichts der steigenden Zahlen halten wir uns bitte an 3G und achten trotzdem auf Abstände; zudem liegen wieder Listen aus.

Das Video gibt es hier!

Impressionen unseres Weihnachtsgottesdienstes

alle Fotos: UPA

Wichtiger Teilerfolg im Kampf um Lützerath vor dem OVG Münster

Vorläufig keine Rodung und Räumung in Lützi!

20. Dezember 2021
Was für ein schönes Weihnachtsgeschenk:
"Das Oberverwaltungsgericht hat heute mit Zwischenentscheidungen der RWE Power AG aufgegeben, bis zu einer Entscheidung in den Eilbeschwerdeverfahren davon abzusehen, auf den Grundstücken eines Landwirts in Lützerath Vorbereitungsmaßnahmen für die Abbaggerung, etwa Rodungsarbeiten oder den Abriss von Gebäuden, durchzuführen."

Der vollstänidge Entscheid hier.

Trotzdem baggert sich RWE immer weiter voran - der Abstand zur Kante wird täglich kleiner. Auch das eine Art, Tatsachen zu schaffen...

Einladung zum Gottesdienst an der Kante:

"Und das Licht scheint in der Finsternis" (Joh 1,5)

Hl. Messe am Samstag, 25.12.21, 15 Uhr vor der Kirche in Keyenberg

 

Und das Licht scheint in der Finsternis – eine neue Hoffnung kommt in die Welt. Und sie strahlt aus von einem armseligen Stall, keinem Palast; nicht von einem mächtigen Herrscher, sondern in Gestalt eines Kindes: arm, schwach, verletzlich, gefährdet.

Hoffnung ist ein zartes Geschöpf, und gleichzeitig kann sie ungemein kraftvoll sein. Doch dazu muss sie unterstützt und genährt werden. Gerade zur Weihnacht wird dies deutlich, wenn Christ*innen auf der ganzen Welt in der Geburt eines Kindes die Hoffnung auf eine andere, gerechte Welt feiern.

Was sind unsere Hoffnungen, was trägt sie durch schwere Zeiten? Wie können wir sie trotz allem nähren, erhalten und feiern? All diesen Fragen möchten wir Raum geben.

In dieser Hoffnung hatten wir die Pfarrei Christkönig am 9. Dezember um einen Weihnachts-gottesdienst in den Dörfer gebeten. Eine Antwort bekamen wir nicht, aus der Presse erfuhren wir, dass eine Öffnung der Kirchen nicht möglich sei. Ein zwischenzeitlich von Seiten des Bistums ins Gespräch gebrachter Gottesdiensts von Pfr. Rombach unter freiem Himmel in Kuckum wurde bislang auch nicht angekündigt.In jedem Fall aber wird es einen Weihnachtsgottesdienst geben - wir feiern ihn vor der verschlossenen Heilig-Kreuz Kirche in Keyenberg.

 

Corona: Angesichts der steigenden Zahlen legen wir wieder Listen aus, achten besonders auf Abstände und bitten um Einhaltung von 3G.

 

Hier gehts zum Video.

Pfadfinder aus Erkelenz verbreiten Friedenslicht in Erkelenz

„Authentisch, sympathisch, friedlich!“

Das Friedenslicht an der Eibenkapelle   Foto: H. Kehrmann
Das Friedenslicht an der Eibenkapelle Foto: H. Kehrmann

Die Friedenslichtaktion 2021 steht in Deutschland unter dem Motto: „Friedensnetz – ein Licht, das alle verbindet“.

Auch Menschen von „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ waren dabei: „Es war ein sehr schöner Gottesdienst heute, von den Pfadfindern selbst zelebriert. Super sympathisch und wohlüberlegt gestaltet – schöne Text- und Liedauswahl und sehr ansprechende Kommunikation mit der „Gemeinde“. Da kann sich manch ein Profi vier/ fünf Scheiben abschneiden!“

Die Flamme wurde dann nach Lützerath und Keyenberg gebracht und dazu ermuntert, sie weiterzugeben: an die Kuckumer Kirche, die Berverather Kapelle, an Wegekreuze, Kniefälle, aber auch in private Wohnungen.

Seit 35 Jahren gibt es die weltweite Friedensaktion – ausgehend vom Friedenslicht in Betlehem, das besonders durch die Pfadfinderbewegung weltweit an jeden Ort der Welt gelangen soll, als Zeichen dafür, was uns eint: Der Wunsch nach Frieden.

 

"Die Kirche(n) im Dorf lassen" schreibt an die Pfarrei Christkönig, Erkelenz:

„Halten Sie Ihr Wort!“

9.12.21

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ hat die Pfarrei Christkönig Erkelenz dazu aufgefordert, die von Pfarrer Rombach am Vortag des Ersten Advent – einen Tag vor der Entwidmung der drei Kirchen in Keyenberg, Kuckum und Berverath – ausgesprochenen Zusagen einzuhalten. Am Ersten Advent erklärte Pfarrer Rombach nach einem sehr emotionalen, aber auch konstruktiven Gespräch mit Bürger*innen in der Kirche von Kuckum, er wolle sich „intensiv dafür einsetzen“, dass

die drei Kirchen weiterhin regelmäßig – vor allem an Sonn- und Feiertagen - geöffnet sind

dort wieder Gottesdienste stattfinden

die örtlichen Pfarr- und Gemeinderäume den dort lebenden Menschen wieder zur Verfügung stehen.

Nach ihrem jahrelangen Kampf - und vor allem dem akutellen politischen Signal der neuen Bundesregierung, die Dörfer erhalten zu wollen - weckten diese Zusagen bei den Menschen in den Dörfern die Hoffnung auf einen Neuanfang  – auch und besonders ihres Gemeindelebens.

Die Zusagen werden jedoch nicht eingehalten – im Gegenteil: Nur die Kapelle in Berverath ist wie bisher täglich geöffnet, der Schlüssel befindet sich weithin in der Hand eines Berverather Bürgers. In den Kirchen von Keyenberg und Kuckum dagegen wurden die Schlösser ausgetauscht und sie blieben am letzten Sonntag geschlossen. Auf Nachfrage hieß es, die Gremien der Pfarrei hätten die Öffnung der Kirchen – und gar Gottesdienste dort – untersagt.

In ihrem Schreiben vom 8.12.21 fordert „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ die Pfarrei und insbesondere Pfarrer Rombach auf: Halten Sie Wort! Öffnen Sie die Kirchen! Gehen Sie auf die Menschen zu und kündigen Sie einen Weihnachtsgottesdienst in den Dörfern an – setzen auch Sie ein Zeichen für Ausgleich und Neubeginn! Heissen Sie damit die Menschen, die lange auf seelsorgerische Betreuung verzichten mussten, wieder in ihrer Gemeinde willkommen!

Offener Brief von Maria 2.0 an die Diözesanbischöfe

Teilhabe ja – Entscheidung nein! Entwickelt sich die Weltsynodeletztlich zu einer Inhouseveranstaltung?

8.12.21

In einem Offenen Brief an die Diözesanbischöfe kritisiert Maria 2.0 den Ausschluss von Laien - und insbesondere Frauen! - von allen Entscheidungen der Weltsynode, deren Ziel doch sei, ein „gemeinsames Haus“ neu aufzubauen für das dritte Jahrtausend.

Maria 2.0 fordert nicht nur Teilhabe, nicht nur die Beteiligung der Laien lediglich als Impulsgeber*innen, sondern echte Mitbestimmung und Entscheidungsgewalt:

"Maria 2.0 fordert, dass die nicht Geweihten im Volk Gottes nicht länger strukturell bedingt als
Christ*innen zweiter Klasse behandelt werden. Maria 2.0 fordert eine Kirche ohne Herrschende und Beherrschte, ohne Christ*innen erster und zweiter Klasse. Maria 2.0 wendet sich gegen jede Form von Klerikalismus."

Den vollständigen Text findet ihr hier.

Gottesdienst am zerstörten Bochheimer Wäldchen, 4.12.21

Andacht der Fassungslosgkeit

Video

Es war kein leichter Gang. Schon die Anfahrt zu unserem Treffpunk endete für viele an einer von RWE aufgerissenen Straße, auch wurden Menschen, die zu Fuß kamen und als Ziel das ehemalige Bochheimer Wäldchen angaben, von der Security zurückgewiesen.

Aber vor allem war die Stimmung gedrückt: Viele waren auch vor zwei Wochen dabei gewesen, als beim Waldspaziergang Fledermaushöhlen geöffnet wurden, die RWE verschlossen hatte, um die Tiere zu vertreiben. Wie würde es jetzt dort aussehen?

alle Fotos: UPA

 

Und dann versperrte - schon mit Blick auf den Kahlschlag - Security den Weiterweg. Aber ein kurzer Schwenk, über ein Feld, durch einen Graben, und wir waren da: Nicht mehr ein Durcheinander von gefällten Stämmen wie auf den Fotos im Netz, sondern nur noch Baumstümpfe - ein trostloses Bild.

 

 

Im Gottesdienst hörten wir ein Stück aus der Apokalypse, der Offenbarung Johannis (Offb 13) - nicht hätte passender sein können. Die Predigt stellte diesen Text zunächst in seinen historischen Zusammenhang, den "Imperialismus" Roms, dann aber in die Gegenwart: Die weltweite Übermacht eines Wirtschaftssystems, das sich als alternativlos darstellt, einem Götzen gleich, und alle Menschen in seinen Dienst zwingt. "

"Und deshalb ist es so wichtig, dass wir uns dieses weltumfassende, mächtige, zerstörerische System immer wieder anschauen. Das wir seine Opfer betrauern, uns dem Schmerz aussetzen im Bewusstsein der eigenen Verstrickung. Um dann gemeinsam wieder aufzustehen, unsere Stimmen erheben und anklagen – immer wieder und wieder: "Hier gilt das Beharrungsvermögen und die Treue der Heiligen!"

Die vollständige Lesung und Predigt findet ihr hier.

 

Video-Schnipsel vom Pilger gib es hier und hier und hier und hier.

 

Und hier das - für mein Empfinden - ultimative Lied zur Zerstörung des Bochheimer Wäldchens (von Wendelmeyer):

Einladung zum Gottesdienst an der Kante: Das Bochheimer Wäldchen ist nicht mehr.

Aufruf zur Andacht der Fassungslosigkeit

Treffpunkt: Bochheimer Wäldchen, Samstag, 4.12.21, 13 h

Das Bochheimer Wäldchen ist nicht mehr. Vor noch nicht einmal zwei Wochen wurden dort die Wohnhöhlen der Fledermäuse, die RWE verschlossen hatte, von mutigen Aktivist*innen geöffnet. Diese Bäume stehen jetzt nicht mehr. Stattdessen Bilder der Verwüstung, der sinnlosen Zerstörung:


Bochheimer Wäldchen wie es einmal war, Dorfspaziergang vom 8.11.2021
Bochheimer Wäldchen seit gestern Nachmittag
Aufnahmen von Pilger

Fassungslos und wütend stehen wir alle davor - und werden diese Trauer und Wut am Samstag in einer "Andacht der Fassungslosigkeit" zum Ausdruck bringen, miteinander teilen, uns gegenseitig stärken und wieder handlungsfähig machen.

Bereits um 12 h treffen sich Menschen am Krähennest und laufen in einem Trauermarsch zum Bochheimer Wäldchen, gemeinsam halten wir dann Andacht.
Infos zur Anfahrt (evtl. gesperrte Straßen!) gibt es zeitnah auf Twitter.

Pressemitteilung zur gestrigen Aktion #DieKirchenDenMenschen im rheinischen Revier

Mehr als ein voller Erfolg

28.11.21

Mitglieder der Initiative "Die Kirche(n) im Dorf lassen" haben gestern im rheinischen Revier gegen die anstehende Entwidmung und Übergabe von drei Kirchen protestiert, sind gepilgert, haben gesungen und gebetet. Schließlich sind Menschen aus den Dörfern gemeinsam mit verschiedenen Aktivist*innen (von "Die Kirche(n) im Dorf lassen" der Mahnwache in Lützerath, von Alle Dörfer Bleiben, von Lützerath Bleibt ZAD, von Unser Aller Wald, vom Hambi Support Aachen u.a.) zum Ende der angekündigten Öffnungszeiten in den drei Gotteshäusern sitzen geblieben.

Nach anfänglich erregten Wortwechseln und großer Beharrlichkeit von Seiten der Aktivist*innen stellte sich die Pfarrei Erkelenz mit mehreren Vertreter*innen in der Kirche von Kuckum dem Gespräch. Dazu kamen schnell auch Menschen aus den Dörfern. In diesem Gespräch kam es zu ersten vorsichtigen Schritten der Verständigung. Deren Tragfähigkeit muss sich in den kommenden Wochen erweisen. Zugesagt wurden von Pfarrer Rombach u.a. die regelmäßige Öffnung aller drei Kirchen, die Wiederaufnahme von Gottesdiensten sowie die Nutzung von Pfarr- und Gemeinderäumen durch die Dorfgemeinschaften.

Der Pfarrer von Erkelenz äußerte in der Presse seine Hoffnung, dass in den Dörfern am Tagebaurand etwas Neues entsteht. Ein deutliches Zeichen für den Neubeginn: Bewohner*innen von Kuckum und Berverath behielten - entgegen der Ankündigung - die Schlüssel zu ihren Kirchen.

Nach anfänglichen Rangeleien endete auch die Aneignung der Keyenberger Kirche nach einer stabilen und solidarischen Präsenz zahlreicher Menschen nach Mitternacht harmonisch: VertreterInnen der Pfarrei Erkelenz und Aktivist*innen fanden zu einem gemeinsamen Gebet. Vor dem Verlöschen des Ewigen Lichtes um Mitternacht wurden zahlreiche Kerzen an ihm entzündet, so dass die Menschen dieses Zeichen der besonderen Präsenz des Göttlichen mit zu ihren Orten nehmen konnten. Eine Aktivist*in trug das Licht über die Felder ins bedrohte Lützerath, wo es nun in der Eibenkapelle weiter brennt.

„Der überwältigende Symbolgehalt einer solchen Geste macht mich sprachlos“, so Dr. Anselm Meyer-Antz von der Initiative "Die Kirche(n) im Dorf lassen". „Niemand hätte am Beginn des Tages einen solchen Ausgang erwartet.“ Die am Samstagmorgen völlig verfahrene, ja absurde Situation - die zukünftige Bundesregierung will die Dörfer retten, die Amtskirche entwidmet die Kirchen -  endet um Mitternacht damit, dass Licht von der Kirche in Keyenberg in die Welt ausstrahlt. Meyer-Antz wertete die KIDL-Aktion als „mehr als ein voller Erfolg“ und dankte allen Beteiligten.

 

Die langfristige Nutzung der drei Kirchen ist offen, ihre Übergabe an RWE "nach der Entwidmung" noch am 26. 11. 21 durch ein Schreiben des Bistums bestätigt. KiDl wird sich für ihre religiöse Nutzung und für ihre Rolle als Mittelpunkt des Dorfes weiterhin mit Entschiedenheit einsetzen. Auch die Kirche von Keyenberg steht wie das Dorf Lützerath für die 1,5°-Grenze des Klimawandels und damit für die Glaubwürdigkeit der päpstlichen Enzyklika Laudato Sí.

27.11.2021 Berichte aus den Kirchen

Sitzen bleiben in Keyenberg

Einen guten Eindruck von der Atmosphäre in der abendlichen Heilig-Kreuz-Kirche vermittelt dieses Video.

von Kirsten und Bernhard

Für uns ist wichtig, dass wir die Kirche, das Ewige Licht bis zuletzt begleiten konnten, sogar eine kleine Zeremonie erfolgte und wir doch noch Ruhe und Frieden finden konnten.
Uns war wichtig, möglichst lange für alle Menschen den Zugang in die Kirche zu ermöglichen - daraus ist dann das Gespräch mit der Küsterin entstanden.
Danke an die wunderbar menschliche Küsterin, die sofort bereit war, etwas in Richtung kleiner Zeremonie zu tun. Sie hätte sonst das Licht am Sonntag auf dem Weg zu ihrer Arbeit einfach nur gelöscht. Ich glaube, die Küsterin und auch der Rainer waren froh, die Kirche auf diese versöhnliche Weise zu verabschieden - beim Dank menschelte es auch bei ihm - die Küsterin war einfach nur wunderbar.

Unser ganz besonderer Dank geht an die jungen Aktivisti, die uns - die Bürgerlichen - wie sie es so schön nannten, begleitet haben. Es war sehr schön mit Ihnen gemeinsam diese nächtlichen Stunden zu erleben. DANKE auch an den Menschen, der das Ewige Licht in die Eibenkapelle gebracht hat.

 

von Christa

Verspätet zu der Prozession traf ich nachmittags an der Heilig-Kreuz-Kirche ein. Es kamen vereinzelt Menschen bedrückt aus der Kirche und verließen den Ort ohne großen Austausch, Fotografen durften sich nur draußen aufhalten. Es war befremdlich, kein Gottesdienst, kein Glockengeläut, kein geschmückter Eingang, eine seltsame Stimmung herrschte vor, keiner sprach lange, man winkte sich teilweise wortlos zu.

Ich persönlich ging um 15:30 Uhr mit gemischten Gefühlen hinein, da 3 securities Dienst hatten und und ärgerte mich über das Schild, dass es ein absolutes Fotografierverbot – für alle - gab. Warum gönnte die Pfarrei den Keyenberger*innen und Besucher*innen nicht, Erinnerungsfotos von dieser wunderschöne Kircheninnenausstattung zu machen? Warum überhaupt die Entwidmung, wenn die Kirche wieder der Dorfmittelpunkt hätte werden können? Es ist für mich schwer nachzuvollziehen.

Vor dem Altar brannten kleine weiße Kerzen auf dem Boden, ein Buch lag aus, in das fast alle Besuchende hineinschrieben. Inder Mitte vor dem prachtvollen majestätischen goldenen Altar stand die Osterkerze mit der Jahreszahl 2021, auf dem Altar auf dem weißen Tuch links drei Kerzen und rechts gelbe (!) Blumen.

Höflich und mit gedämpfter Stimme forderte die Vertreterin der Pfarrei Christkönig Frau K., die ein Namensschild trug, uns kurz nach 16 Uhr auf, die Kirche zu verlassen.
Meine KiDl Kollegin meinte: “Wir gehen nicht.“ Frau K. Meinte darauf in schärferem Ton: "Dann muss ich die Polizei holen.“ Darauf die KiDl-Kollegin. „Dann holen Sie die Polizei!“ Daraufhin verließ Frau K uns sofort ohne weitere Diskussion. Zusammen begannen wir zu dritt leise zu singen „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet!“ ein Taizélied.

Plötzlich gab es für 10 Minuten etwas Tumult am Eingang, mehrere Polizisten kamen dazu. Ich kümmerte mich nicht darum, denn ich empfand als meinen Auftrag, unter allen Umständen sitzen zu bleiben und damit gegen die Entwidmung zu protestieren. Ich erkannte Pfr. Rombach mit schwarzer Mund- und Nasenmaske im Gedränge. Die Türen standen offen und die bisher ausgesperrten Fotograf*innen und Filmenden drängten nach vorn und machten viele Bilder von der seit ca. einem Jahr verschlossenen Kirche. Wir sangen zu dritt das Psalmlied „Wie nun ihr Herren“ und „ Das könnte den Herren der Welt ja so passen“ und immer wieder: „Bleibet hier...“ Eine Sängerin sang vorne ein spanisches Lied.

Die Polizei hielt sich sehr im Hintergrund, sie fuhren gegen 20:30 Uhr weg. 2-3 Securities blieben vor Ort. Handwerker tauschten zwischendurch Schlösser aus, erst im Nachhinein erfuhr ich, dass einige mit Sekundenkleber zugeklebt waren.

Es hieß, dass draußen eine Lichterinstallation sei, ich hatte Bedenken, hinaus zu gehen, um ggf, nicht wieder hinein zukommen, aber alles war entspannt, Ich schaute kurz nach draußen, vor der Haupttür stand die Mahnwache mit der „Küche für alle“. Später wurden Getränke, etwas Essen und Schlafsäcke hineingebracht. Nach mehreren Stunden Singens brauchten wir eine Pause. Durch Helmut Kehrmanns Erzählungen wurden wir punktuell nach meinem Empfinden zu einer Gruppe zusammengeschweißt. Inzwischen wurden wir gefragt, wie lange wir denn bleiben wollten. Wir forderten einen Verbleib bis nach 24 Uhr, also bis in den 1. Advent hinein.

Der Küster Herr M. schlug einen Psalm vor und bot uns an, dass wir uns ein Lied aussuchen könnten. Noch einmal sangen wir: „Von guten Mächten“. Die Gruppe der Aktivisti sang den Kanon „Wehrt Euch, leistet Widerstand gegen die Braunkohle hier im Land; RWE enteignen, wir KiDler sangen das Lied mit mit dem Vers am Schluss … „Alle Dörfer bleiben!“ Herr Merkens bat darum, dass wir zusammen abwechselnd den Psalm 629 beten sollten, der so beginnt: "Du führst mich hinaus ins Weite, Du machst meine Finsternis hell." Dann folgte das Lied „Großer Gott, wir loben Dich“. Danach sagte Herr Merkens mit fester Stimme: „ Es geht weiter. Es wird anders sein. Es wird woanders weiter gehen.“

Während wir das „Vater unser“ beteten, ging Frau Jacobs mit einem Span umher und zündete in Stille unsere Kerzen an. Herr Merkens begann das Glaubensbekenntnis“ und einige beteten mit. Gegen 23:40 Uhr begann Frau Jacobs mit den Vorbereitungen zur Entwidmung, holte das Ewige Licht und stellte es auf den Altar, es wurde ganz ruhig. Die elektrischen Lampen wurden von ihr ausgeschaltet, es leuchteten nur noch die Kerzen. Wir waren minutenlang ganz still. In der beklemmenden intensiven Stille, in der minutenlang alle regungslos verharrten, fühlte ich mich mit den Anwesenden verbunden, als wären wir eine gewachsene Gemeinde.

 

Das Ewige Licht wurde gelöscht.


Wir bedankten uns bei Küsterin und Küster. Wir gingen hinaus in den 1. Adventssonntag, ganz erfüllt von dieser unvergesslichen Nacht und jeder ging seiner oder ihrer Wege. Die Kirchtür wurde von innen abgeschlossen. Die Kirche war profaniert.


Jetzt beginnt etwas Neues!

Sitzen bleiben in Kuckum

von Katharina Siebert

Begonnen haben wir mit einer Prozession durch die drei Dörfer und die Prozession war sehr schön. Singend zogen wir durch die Landschaft: vorbei an feuchten Wiesen im Gegenlicht, an Tieren auf der Weide, durch das letzte bunte Laub an den Bäumen. Diese dunstige, taufeuchte Farbigkeit, die Kühle des sonnigen Morgens, die Weite der Landschaft, unsere Lieder: das alles verschmolz zur Stimmigkeit und dem Gefühl, das Richtige zu tun. Eine Verbundenheit war in mir mit unserer Aktion, unserem Ziel und allen, denen Unrecht geschieht.

Die Prozession führte uns nach Kuckum. Ich mag dieses kleine Kirchlein, das so bescheiden im Dörfchen steht und einen leisen, wenig prunkvollen, aber wunderbar intimen Raum in sich birgt. Die kunstvollen Fenster, der Altar in Form eines Mühlsteins, die vielen Kerzen, die ein warmes Licht schufen, das alles vermittelte eine sehr intensive Ausstrahlung von Willkommen und Geborgenheit - und sollte Kirche nicht genau das haben?

Die vom Pfarrer bestellten Securities waren natürlich ein Armutszeugnis. Kirche bedeutet ja auch Gemeinschaft, und man denkt, 'wo ist dieser bedauernswerte Pfarrer in seiner Angst denn nur hingekommen, dass er die Gläubigen nicht mehr in die Kirche lassen kann, ja diese vor den Gläubigen beschützen muss?' Aber mich haben die Securities nicht weiter angefochten. Ich bin in das Kirchlein reingegangen und da saß ich dann eben,  überwiegend mit Frauen. Mehr passierte nicht.  Um 16 Uhr begannen wir zu singen. Leise Lieder wie Bleibet hier oder Laudate omes gentes, zigfach wiederholt, so dass sie etwas Meditatives bekamen und sich wie ein Schutzschild um uns legten, ruhig machten, mit dem Raum verschmelzen ließen. Wir waren unangreifbar in diesem Moment, haben uns auch nicht mehr groß umgedreht, als Lärm hinter uns entstand: Die Securities waren einfach egal. Wir waren eins mit dem Raum, der Musik, der Guten Sache.

Langsam wurde es dunkel und die Dunkelheit ließ das Individuelle verschmelzen. Wir sangen zwei-, teils dreistimmig und diese schönen Harmonien ließen in mir Bilder entstehen von Nonnen in einer winterkalten Kirche, die mitten in der Nacht einen Choral anstimmen und alte lateinische Begriffe fielen mir dazu ein, wie Vigil oder Komplet, die ich nicht ganz genau definieren kann. Das waren ganz starke Momente, die uns weit über uns selbst hinaustrugen in einen zeit- und ortlosen Raum, in Stimmigkeit.

Die Realität kehrte dann zurück, als der Pfarrer die Kirche betrat, mit laut aufschlagenden Absätzen. Das war schon ein Ding, dass da nun ausgerechnet die Polizei in diesem Konflikt vermitteln musste. Denn plötzlich war die Kirche voller Menschen aus dem Dorf. Irgendwann kam es dann zu einer direkten Begegnung. Conni moderierte anfangs diesen Teil des Gesprächs, und ich habe sie für die Ruhe und Klarheit, mit der sie die Forderungen der Dörfler vortrug, sehr bewundert. Vier, fünf sehr eindeutige Sätze, mehr war das nicht. Danach trat eine Pause ein - und dann begann ein Gespräch.

Da saßen sie, der Herr Pfarrer und seine Begleiterin, und mussten sich einiges anhören. Beide sprachen den Menschen das Recht ab, hier zu sein (wer von Ihnen ist denn überhaupt von hier; wann waren  Sie zuletzt im Gottesdienst?) und erzählten ihre Geschichte des Überfordertseins durch den eigenen Anspruch und der ausbleibenden Anerkennung. Sie taten mir leid, das meine ich ohne jede Häme. Aber für die Menschen in der Kapelle hatten beide lange Zeit schlicht kein Ohr, nicht das geringste bisschen Anteilnahme: Ein Gottesdienst für vier Menschen lohne sich einfach nicht. Eine Frau erwiderte, ob sie das ihrem messdienenden Sohn denn auch mal sagen sollte: 'Brauchst nicht hingehen, lohnt sich ja eh nicht.' Und Negen traf den Nagel schon ziemlich genau auf den Kopf, als sie erwiderte, naja, bei den KiDl-Gottesdiensten seien wir nie unter zwanzig und ob ihnen schon mal der Gedanke gekommen sei, dass sie dann in der Amtskirche vielleicht einfach etwas falsch machten. Die Begleiterin wurde dann abgedrängt, gottseidank, muss man leider sagen, denn dadurch geriet der Pfarrer  in die Situation, sich äußern zu müssen, und endlich kam ein längerer Dialog in Gang. An den Pfarrer wurden Fragen um das Thema gestellt, warum er den Gläubigen hier die Kirche verschließe, im Umsiedlungsort aber ein üppiges Gemeindeleben installiere, und Wortäußerungen zielten darauf ab, dass die Zeiten sich in vielerlei Hinsicht geändert hätten.

Und Schrittchen für Schrittchen, Wort für Wort kam der Pfarrer aus der Ecke seiner Angst und Versteinerung, und es entstand ein Dialog. Der Pfarrer kam mit Forderungen wie "dann müsst ihr aber auch...", die Gläubigen versprachen, Verantwortung zu übernehmen. Und am Ende duzte er die Menschen und das war keine Hierarchie, sondern es war eine Verbundenheit dieser Gemeindemitglieder zu spüren - meinem Gefühl nach: seit Jahren zum ersten Mal. KiDl wurde überflüssig, das war wunderbar zu erleben. Wir haben uns langsam zurückgezogen, nur noch zugehört und sind Zeugen geworden, wie sich Berge von Feindseligkeit in nichts auflösten. Das ist unvergesslich und ich wünsche dem Pfarrer und den Menschen, dass dieses zarte Pflänzchen nicht zertreten wird.

Als das Gespräch endete, gab es keinen Grund zu bleiben und wir räumten die Kirche. Eine Zeit lang saßen wir dann noch in der Kälte zusammen und tranken Kaffee. Und konnten unser Glück noch gar nicht fassen: Die Menschen aus den Dörfern, ADB und KiDl (und sogar die Polizei): wir alle ZUSAMMEN haben etwas bewegt.

Prozession von Keyenberg nach Berverath und Kuckum

27.11.2021 Wer möchte, kann sich dazu das Glockengeläut von Keyenberg anhören.

Samstag, 27.11.2021

Erste Bilder von der Prozession von Keyenberg über Berverath nach Kuckum

Protest gegen die Entwidmungen der Kirchen in Keyenberg, Kuckum und Berverath

Alle drei Kirchen "besetzt": Die Kirchen den Menschen!

Nach Ende der genehmigten Besuchszeit: Menschen blieben einfach sitzen!

 

27.11.21

Zahlreiche Menschen besuchten heute ein letztes Mal "ihre" Kirchen, die morgen entwidmet werden sollen. Am Ende der von der Gemeinde Christkönig unerwartet zugestandenen "Besuchszeit" von 11 bis 16 h gab es allerdings eine Überraschung: In allen drei Kirchen weigerten sich Menschen, sie jetzt zu verlassen. Sie harren dort aus, singend, betend - und auch frierend. Damit protestieren sie gegen die klammheimliche Entwidmung, zu der noch einmal ein Vertreter von Pfarrei oder Bistum erscheinen will. Sie fordern: "Die Kirchen den Menschen".

Vor der Türen der Kirchen haben sich spontane Solidaritätskundgebungen gebildet. "Wir lassen die Leute in den Kirchen nicht allein", so N.N. aus Berverath. "Es sind Menschen aus den Dörfern, aber auch Leute von außerhalb, die uns seit Jahren im Kampf für den Erhalt der Dörfer und Kirchen unterstützen."

Es ist eine wunderbar solidarische Aktion - gemeinsam stehen die Menschen aus den Dörfern, die Initiative "Die Kirche(n) im Dorf lassen" und weiter Aktivist*innen der Klimagerechtigkeitsbewegung zusammen und schützen die Dorfkirchen!

Hier unsere Pressemitteilung zu den Vorgängen.

Virtuelle Gebetskette der internationalen Organisation "Greenfaith":

Stoppt Entwidmungen für Kohle!

 

Die international arbeitende Organisation Greenfaith hat für den Samstag, dem Tag der letzten Kirchenöffnungen in und um Keyenberg, zu einer "virtuellen Gebetskette" aufgerufen. Teilnehmen kann man über diesen Link, mehr Informationen (leider auf englisch) hier und hier.

Stellungnahme von "Die Kirche(n) im Dorf lassen" zur Entwidmung der Kirchen am nächsten Sonntag:

Die Kirchen den Menschen!

26.11.21

Die Kirche(n) im Dorf lassen hat heute eine Pressemitteilung zu der klammheimlichen Entwidmung der Kirchen von Keyenberg, Kuckum und Berverath veröffentlicht. Gerade jetzt, wo der Erhalt der Dörfer auch im Koalitionsvertrag genannt wird, die Dörfer endlich eine Perspektive haben - schließt das Bistum die Kirchen und übergibt sie RWE!

Und dies, ohne diesen Kirchen, den Dörfern und ihren Menschen einen letzten Respekt zu erweisen: Gestern haben wir durch aus dem Generalvikariat erfahren, daß am Sonntag kein Vertreter des Bistums vor Ort sein wird - es wird keinerlei rituelle Handlung in den Kirchen vorgenommen, die Entwidmung sei ein "rein formeller Akt", geschieht nur durch Unterschrift, aus der Ferne.

Weiter heißt es in der ebenfalls gestern eingegangenen Antwort des Generalvikariats (auf unseren Offenen Brief vom 31. August): "Nach der Entwidmung werden die Kirchen vertragsgemäß an RWE übergeben. Dazu bietet die Rechtslage auch nach Einschätzung unserer Rechtsabteilung keine Alternative."

Tatsächlich entzieht aber die jetzt auch im Koalitionsvertrag verankerte Rettung der Dörfer vor den Kohlebaggern diesem Vertrag die rechtliche Grundlage!

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ ruft deshalb für diesen ersten Adventssamstag dazu auf, die Menschen in den Dörfern würdig und leise, aber solidarisch beim Abschied zu begleiten und zu unterstützen.

Einladung zur Prozession zu den Kirchen in Keyenberg, Berverath und Kuckum

"Und wenn ich wandere im finsteren Tal . . ."

Samstag, den 27.11.21, Treffpunkt Kirche Keyenberg, 13 h

 

"Und wenn ich wandere im finsteren Tal,fürchte ich kein Unheil,

denn du bist bei mir,dein Stecken und Stab,sie trösten mich." (Ps. 23,4)

 

Die seit langem befürchtete Entwidmung der Kirchen in Keyenberg und Kuckum und der Kapelle in Berverath soll am kommenden Sonntag vollzogen werden - ohne eine feierlich Messe, unter Ausschluss der Menschen, hinter verschlossenen Türen. Und das ausgerechnet am 1. Advent, wenn sich die gesamte Christenheit für die Ankunft Jesu bereit macht.

Einziger Lichtblick: die Kirchen werden am Samstag in der Zeit von 11-16 h ein letztes Mal geöffnet sein.

Auch wir werden vor Ort sein, um uns zu verabschieden und die Menschen in ihrer Trauer zu begleiten: Mit einem Gang zu den drei Kirchen wollen wir diese drei Orte und ihre Menschen in ihrer Trauer miteinander verbinden.

Alle sind eingeladen, sich anzuschließen, ob für den ganzen Weg oder ein Teilstück, um sich in Gemeinschaft von allen Kirchen zu verabschieden. An den Kirchen wird jeweils Zeit und Raum für den ganz persönlichen Abschied sein.

 

Ungefährer Zeitplan:

13:30 h Start in Keyenberg

14:15 h Ankunft in Berverath

14:45 h Start in Berverath

15:30 h Ankunft in Kuckum

16:00 h Start in Kuckum

16:30 h Ankunft in Keyenberg

Einladung zum Advents-Gottesdienst an der Kante

Magnificat

Sonntag, 28.11.21, 16 h Lützerath

 

Das Thema des Magnificat ist: Gott stellt im Jesusgeschehen radikal alles infrage, was Menschen als gesellschaftliche Struktur entworfen und entwickelt haben. Er macht sich selbst auf den Weg, es in menschlicher Weise zu verbessern. Und begann bis dahin alles mit Männern, beginnt es hier mit einer Frau...

alle Fotos: UPA

 

Im Anschluß gibt es Glühwein/Punsch auf der Brache, organisiert von Alle Dörfer bleiben!

Christkönig gibt Termin für Entwidmung bekannt

Entwidmung "tritt am ersten Adventssonntag in Kraft" - Gelegenheit zum Abschied am Vortag

19.11.21

Die Kirchen von Keyenberg, Kuckum und Berverath werden - ausgerechnet! - am 1. Advent entwidmet. Das geht aus einer "Öffentlichen Bekannmachung der Pfarrei Christkönig Erkelenz" hervor, in der es - in ganz unpassendem Verwaltungsdeutsch - heißt:

"Die förmliche Entwidmung tritt in Kraft am ersten Adventsonntag, mit Datum zum 28. November 2021."

Ein kleiner Trost für die Menschen aus den Dörfern: Sie werden Gelegenheit haben, sich am Vortag von ihren Kirchen zu verabschieden. Denn im Text heißt es weiter::

"Wir haben es darum für gut und wichtig gefunden, dass Sie als Gemeindemitglieder der „alten Standorte“ Gelegenheit nehmen können, sich zu verabschieden von den Ihnen so vertrauten Gotteshäusern:

Am Samstag, 27. November d.J. in der Zeit von 11 Uhr bis 16 Uhr haben Sie Gelegenheit, in den geöffneten Gotteshäusern Ihren je persönlichen Abschied zu nehmen, auch, wenn die Gebäude damit nicht dem Abriss übergeben sind. Für ein stilles Gebet, einen persönlichen Rundgang, für das letzte Entzünden einer Kerze – und für den Eintrag in ein „Gedenkbuch - Gedankenbuch“ werden wir Raum schaffen."

Den vollständigen Text der "Bekanntmachung" gibt es hier.

Einladung zum Gottesdienst an der Kante:

„Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“(Mt 18,20)

Hl. Messe am Samstag, den 13.11.21, 14:30 h, in Kuckum

Die Kirche blieb verschlossen - berührender Gottesdienst in Kuckum. Alle Fotos: Upa

Hier geht es zum Video.

 

Seit vielen Jahrhunderten prägen Kirchen unsere Landschaft und unser kulturelles Leben. Sie bieten Menschen Schutz, geben Raum für Klage, Besinnung und Freude – kurz: sie sind bis heute Orte menschlicher Gemeinschaft. Es ist diese Feier der Gemeinschaft, die über das alltägliche Leben hinausweist, es in einen größeren – göttlichen – Zusammenhang stellt.

Angesichts der vom Bistum bereits beschlossenen Entwidmung der Kirchen von Keyenberg und Kuckum hätten wir gerne dieser Gemeinschaft - ein letztes Mal? - Raum gegeben: Mit einer Hl. Messe in der Kirche von Kuckum. Leider wurde uns dies nicht gestattet. Daher werden wir diese Messe vor der Kuckumer Kirche feiern.

Alle - und wir meinen wirklich alle! - sind dazu herzlich eingeladen: Dies wird kein "politischer", kein "Kirche(n) im Dorf lassen"-Gottesdienst werden, sondern soll allen Gelegenheit geben, sich in Gemeinschaft und in angestammter Form von "ihrer" Kirche zu verabschieden. Die Messe hält Pfarrer Manfred Esmajor aus Mönchengladbach.

Den Menschen in Keyenberg bieten wir an, gemeinsam in kleiner Prozession nach Kuckum zum Gottesdienst zu gehen. Treffpunkt 13:30 h an der Keyenberger Kirche.

Angesichts der sich verschärfenden Corona-Lage bitten wir um das Einhalten von Abstandsregeln und das Tragen von medizinischen Masken. Vorsichtshalber werden wir auch wieder Nachverfolgungslisten auslegen.

Einladung zum Gottesdienst an der Kante:

"Was machst du hier in Lützerath, Mensch?"

Samstag, 6.11.21, 15 h, Eibenkapelle Lützerath

 

Nach Sturm, Beben und Feuer kam ein leises Säuseln, und die Gotteskraft war in diesem leisen Säuseln, und sie fragte den Propheten Elija: »Was machst du hier, Elija?« (nach Kapitel 19 des 1. Buches der Könige)

Nach den hinter uns liegenden aufregenden Wochen wird es an diesem Samstag einen "kleinen", sehr ruhigen Gottesdienst in Lützerath geben: Mit viel Gesang, meditativen Phasen und offenem Gespräch. Die Gestaltung liegt weitgehend bei Euch!

Wir wollen uns so wieder sammeln, in Gemeinschaft den vergangenen Tagen nachspüren, bewußt aus der Zeit hoher Aktivität in eine Phase der Ruhe, des Wartens gehen. Und uns vom leisen Säuseln in uns, um uns und in den letzten Bäumen und Pflanzen vor der Kante fragen lassen: "Was machst du hier in Lützerath, Mensch?"

Tausende Menschen kamen zur Verteidigung Lützeraths

2.11.21

Ein großartiger Wochenende in Lützerath: Greenpeace entfacht Feuerlinie, 5000 Menschen kommen zur Demo - und Ende Gelände stellt den Bagger still. Vielen Dank an alle Beteiligten!

So zeigen wir den Koalitionären in Berlin und auch dem neuen Ministerpräsidenten: RWE muß endlich gestoppt werden und: Lützi bleibt!

Kirche(n) im Dorf lassen beteiligte sich mit einem Gottesdienst am Samstag, der vom Gorlebener Gebet gestaltet wurde, und einer trotz eisigem Wind gut besuchten Taize-Andacht am Montag Abend.

Und wie schon bei unserer allersten Nachtwache, am Abend vor dem Abriss der L277, bekamen wir ein Geschenk: Eine kleine dunkle Madonna, die über 30 Jahre einen Hof im Kreis Düren beschützt hat, aber - so die Schenkenden - "jetzt besser und dringlicher nach Lützerath gehört."

 

alle Fotos: UPA

Aufgeschoben - nicht aufgehoben

Vorzeitige Inbesitznahme durch RWE ausgesetzt

27.10.21

RWE wird bis zur Entscheidung des OVG Münster, spätestens bis zum 7.1.22, von der sogenannten Besitzeinweisung, die dem Bergbaubetreiber Zugriff auf Grundstücke gibt, keinen Gebrauch machen.

Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht - wie in der Presse teilweise berichtet wird - daß alle Abrissarbeiten in Lützerath ausgesetzt sind: Alle Bäume und Häuser, die nicht Eigentum von Eckart Heukamp sind, sollen nach RWE-Plänen noch in diesem Herbst zerstört werden. Und: Die Entscheidung kann des OVG auch vor dem 7.1. fällen, und dann ist auch Eckarts Hof akut bedroht.

Bitte haltet euch also weiter bereit für Tag X!

Einladung zum "Gorlebener Gebet an der Kante"

„Der Frieden Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne...“

Samstag, 30.10.21, 15 Uhr, Lützerath


Bilder können die Gewalt kaum verdeutlichen, die von dem riesigen Loch des Tagebaus Garzweiler ausgeht. Oder von den Baggern, die sich unablässig und gierig in das Land hineinfressen – es zerstören.
Unsere Vernunft sagt uns, dass wir diesem zerstörerischen Handeln und seinen Folgen, der drohenden Klimakatastrophe, hilflos ausgeliefert sind. Doch unsere Überzeugung, unser Glaube rät uns, die Visionen eines anderen Leben jetzt wach und lebendig zu halten und Wege der Umsetzung zu suchen - und zu finden.

KiDl appeliert an Polizei NRW

Leisten Sie "legalen Ungehorsam"

24.10.2021

Es gibt ein Recht auf Dienstverweigerung:
Mit Bezug auf das Gerichtsurteil, das den Polizeieinsatz im Hambi als rechtswidrig erklärte, und das Urteil des Bundesver-
fassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz rufen wir die Polizei NRW dazu auf, von ihrem Recht auf "Remonstration" Gebrauch zu machen: Das ist die ausdrücklich im Dienstrecht vorgesehene Verweigerung eines Einsatzbefehls, wenn dieser dem einzelnen Beamten nicht legal erscheint.

Hier geht es zum vollständigen Aufruf.

Einladung zum Gottesdienst an der Kante

"Bleibet hier und wachet mit mir"

Abendliche Taizé-Andacht an der Eibenkapelle, Montag, 1. November 2021, 18 h, Lützerath

 

Wir alle warten gespannt auf die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster über die "vorzeitige Inbesitznahme" von Eckarts Grundstücken durch RWE. Bei einem negativen Bescheid wird es RWE erlaubt sein, ab dem 2. November auf Eckarts Flächen, die Wohnungen vieler Aktivist*innen, das Camp - kurz: alle Widerstandsstrukturen in Lützerath zuzugreifen.

Wir werden uns daher am Vorabend an der Eibenkapelle treffen, dort gemeinsam singen und beten, uns austauschen und nicht zuletzt: uns Mut machen für die befürchteten Auseinandersetzungen.

Aber vielleicht kommt es ja auch ganz anders - dann werden wir unsere Freude und unseren Dank singen!

Es wird eine Feuerschale und Kerzen geben, bringt bitte auch selbst welche mit, ebenso wie heiße Getränke, warme Kleidung, Decken, evtl. eine bequemen Sitzgelegenheit (Bänke tragen wir gemeinsam von der MaWa hinüber) und - wenn ihr habt - ein Taizé-Liederheft.

Wir freuen uns auf Euch!

Einladung zum Gottesdienst an der Kante

„Dein Wille geschehe“

 Samstag, 23.10.21, 15 Uhr, Lützerath

 

„Dein Wille geschehe“ - diese Textzeile des „Vater unser“ klingt in einer Zeit von Individualismus und Selbstbestimmung schon fast provokant. Denn Jahrhunderte lang wurde diese Zeile benutzt, um bei den Menschen ein eher passives Hinnehmen, ja Resignation angesichts der bestehenden Verhältnisse, angesichts von Unglück und Elend zu fördern. Doch was ist der "Wille Gottes"? Und wessen Wille zählt tatsächlich in dieser Welt, wird umgesetzt, geschieht?

Diesen Fragen möchten wir in unserem Gottesdienst nachgehen, möchten uns darüber austauschen, was „Dein Wille geschehe“ für uns bedeuten kann.

 

Nach dem Gottesdienst gibt es ein KiDl-Plenum, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Vorankündigung: Samstag, 30.10.21, 15 h in Lützerath

Gorlebener Gebet an der Kante

Menschen der Initiative "Gorlebener Gebet", die seit über 30 Jahren Gottesdienste am geplanten Atom-Endlager im Gorlebener Wald feiert, besuchen Lützerath! Und werden am Samstag, den 30.10, am Vorabend des Reformationstags, dort einen Gottesdienst gestalten, zu dem wir alle herzlich einladen.

Mittwochs, 14 bis 16 h

Asambleas an der Kante

Theologisch-politische Gesprächsrunde an der Eibenkapelle

In den nächsten Wochen lädt "Die Kirche(n) im Dorf lassen" immer mittwochs von 14 bis 16 Uhr zu theologisch-politischen Gesprächsrunden ein. Themen können u.a.sein:

Postkoloniale Theologie - was ist das?

Das Abenteuer Kidl: Warum eine christliche/religiöse Klimabewegung?

Traditionen des Widerstands: Die Armutsbewegung des Mittelalters als Antwort auf frühkapitalistische Wirtschaftsformen

Traditionen des Widerstands: Religiöse Frühsozialisten in Frankreich

Das Bekenntnis von Accra (2004): Verurteilung des Neoliberalismus als häretisch Diese Wirtschaft tötet: Kapitalismuskritik bei Papst FranziskusUnd wenn ihr ein ganz anderes Thema mitbringt: Wir freuen uns!

All dies wird nicht dozierend-theoretisch, sondern in gemeinsamem Gespräch bearbeitet, entspannt bei Kaffee und (selbst mitgebrachtem) Kuchen. Und falls das Wetter mal nicht mitspielt, ziehen wir um an die Mahnwache.

Dem Rad in die Speichen gefallen

9.10.21

 

In einer Prozession brachten gestern Menschen ein schützendes und mahnendes Kreuz zwischen den Bagger und die Mahnwache Lützerath. Zumindest symbolisch wurde so dem Rad in die Speichen gegriffen.

 

Das Kreuz stand auch heute noch, während des Dorfspaziergangs. Es gab kleine Ausflüge ans Kreuz, es wurde gesungen, Lichter und Blumen wurden aufgestellt.

 

Hier das Video des Gottesdienstes.

 

Hier das Video des Gottesdienstes.

Fotos: UPA

Ein ganz besonderes Video:

Erster Oktoberdorfspaziergang Lützerath 2021

Einige Menschen von der Mahnwache Lützerath und andere VerteidigerInnen des kleinen rheinischen Dorfes haben kurzfristig am 3. Oktober 2021 den ersten Dorfspaziergang im Oktober durchgeführt. Dies haben wir in einem Video dokumentiert: Wir legen die detailreichen und betroffen machenden Erläuterungen der #Heimatplanetenverteidiger*innen allen ans Herz, die sich auf den Weg nach Lützerath machen, um die Zukunft von Mutter Erde zu sichern und sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Ein Aktivist, der den ganzen Kreuzweg für die Schöpfung durch alle Widrigkeiten mitgelaufen ist, erläutert die Geschichte der #Eibenkapelle und des Wackersdorf-Gorleben-Garzweiler-Kreuzes. Die #Eibenkapelle, ein etwa 40 m² großes Stück Land am Eingang des Ortes, überwölbt von einem natürlichen Dach aus Eiben, wird in den kommenden Wochen der Bezugspunkt des Protestes von KIDL sein. So wie sie aus dem Nichts der Vergessenheit wieder auftauchte, fällt es schwer, ihren Fund, ihre Freilegung, ihre Akzeptierung von Menschen so unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Weltanschauungen als etwas Zufälliges aufzufassen. Wie sich die Eiben in der Eibenkapelle über den alten Standort des verschwundenen Wegekreuzes beugen, so beugt sich hier das Metaphysische über die im Braunkohlentagebau geschundene Schöpfung. So wie in der Mitte des ummauerten Fünfecks ein frischer Spross den Weg durch die Fundamente gesucht hat, so keimt in der Eibenkapelle "Hoffnung wider alle Hoffnung" für eine lebenswerte Zukunft zukünftiger Generationen.

Eckarts Grundstück ab 1. November akut bedroht:

Aachen lehnt Eilanträge gegen vorzeitige Besitzeinweisung ab!

Verwaltungsgerichts Aachen hat die Eilanträge von Eckart Heukamp und seinen Mietern abgelehnt. Damit bestätigt es die von RWE beantragte sogenannte "vorzeitige Besitzeinweisung": Das ist eine Verfügung, die RWE ab dem 1. November den Zugriff auf Eckarts Grundstücke gibt, obwohl das Enteignungsverfahren juristisch noch nicht abgeschlossen ist.  Gegen diese Entscheidung kann Beschwerde eingelegt werden - was auch geplant ist.

Was bedeutet das für uns? Bleibt wachsam, haltet euch bereit, ab dem 1. November kann es in Lützerath ums Ganze gehen!

Einladung zum Gottesdienst an der Kante (mit Kreuzaufstellung)

Dem Rad in die Speichen fallen

Samstag, 9.10.21, 15 Uhr, Lützerath (Wendehammer)

„Es reicht nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad selbst in die Speichen fallen.“ Dies sind Worte Dietrich Bonhoeffers aus dem Jahr 1933. Die Nationalsozialisten hatten den Arierparagraphen erlassen, mit dem sie jüdische Menschen politisch und gesellschaftlich entrechteten. Die große Mehrheit in Deutschland schwieg. Auch die evangelische Kirche vollzog diesen Schritt und schloss getaufte jüdische Menschen aus. Sie stellte so die rassistisch begründete Trennung über die mit der Taufe begründete Gemeinschaft. Viele Jahre lang beschäftigte sich Bonhoeffer mit der Frage, welche Formen des Widerstands vertretbar, mit christlicher Überzeugung vereinbar sind.

Im Angesicht des sich immer weiter ins Land fressenden Baggers wollen wir in diesem Gottesdienst den Worten Bonhoeffers nachspüren. Und wir werden nach Parallelen suchen zu unserer aktuellen Situation, uns von dem Menschen Bonhoeffer in unserem Widerstand inspirieren lassen.

Aktion Platznehmen von Alle Dörfer bleiben!

Entspannter Nachmittag in Lützerath

1.10.2021

Entgegen vieler Befürchtungen verlief der erste Tag der Rodungssaison entspannt. Erfolgreich wurden zwei Bagger und ein Absetzer besetzt, eine Lieferung von Bauzäunen nach Lützerath wurde verhindert. Viele Leute hatten viel Spaß, so kann es gerne weitergehen!

 


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