Sternsingen in Lützerath

20 * C + M + B * 21: Gott segne dieses Haus

Mittwoch, 6. 1. 21, 13 Uhr

 

Mit rund 40 Menschen haben wir am Mittwoch in Lützerath Häuser gesegnet, die zum Abriss freigegebenen und auch noch bewohnte! Ganz traditionell mit Stern und Kreide zogen wir am Dreikönigstag durch das Dorf, mit einer wunderbaren Bläsergruppe (Danke!) und den vielen aus der Kindheit vertrauten Sternsinger-Liedern.

Dass wir auch anderes Liedut kennen, zeigte sich nach Abschluss der Segnung, als wir zwei Menschen, die seit den frühen Morgenstunden ein Dach besetzt hielten, unsere Hochachtung musikalisch zukommen ließen!

Hier folgen einige Fotos, der Text der Predigt und schließlich die Einladung. Den Link zum Video gibt es hier.

Impressionen

alle Fotos: © Hubert Perschke

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da sein wird.

 

Heute ist der Dreikönigstag. Zu Königen wurden diese drei Menschen erst in später Zeit gemacht, im Matthäus-Evangelium (Mt 2) wird von drei Magiern, drei Weisen gesprochen: Es waren Weise, Astronomen, die Wissenschaftler ihrer Zeit, die dem Stern folgten. Sie haben beobachtet, Berechnungen angestellt, Quellen gesichtet. Sie berieten Könige und Kaiser.

In diesem Jahr habe ich gelernt, dass es wohl die besondere Sternenkonstellation von Jupiter und Saturn war, die zu dieser Zeit am Himmel stand. In der damaligen Zeit galten solch besonderen Himmelserscheinungen immer auch als göttliche Vorboten, Ankündiger für besondere Ereignisse auf der Welt. Die Weisen suchten in ihren Quellen, zu denen auch die Prophezeiungen gehörten, nach Hinweisen und begaben sich auf die Suche.

Auf ihrem Weg kamen sie zu König Herodes, der natürlich auch die Sternenkonstellation sah und die Worte des Propheten Jesaja kannte:

9,5 „Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. 6 Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit.“

Herodes, von den Römern als König von Judäa eingesetzt, fürchtete um seine Macht. Er wollte die Weisen benutzen, um dieses Kind, den angekündigten Fürsten zu finden, den er nur als Rivalen um seine weltliche Macht verstand. Die Weisen fanden das Kind, sahen in ihm das Besondere und überreichten als Zeichen ihr wertvollen Gaben. Herodes verrieten sie, entgegen seinem Befehl, den Aufenthaltsort nicht und widersetzten sich damit der Anordnung des Königs - sie begaben sich so persönlich in Gefahr.

Die Weisen gingen davon aus, dass Himmelsereignisse göttlichen Ursprungs sind und den Lauf der Welt beeinflussen. Und einem so spektakulärem Himmelsbild musste ein ganz besonderes Ereignis entsprechen. Auch wenn die Weisen aus dem Osten wahrscheinlich keine Juden waren, passt die Prophezeiung des Jesaja zu dem Himmelsereignis – und das war entscheidend. Die Weisen wussten, wie Herrscher auf Bedrohungen reagieren – mit Gewalt – und davor wollten sie dieses Kind, diese Hoffnung der Welt bewahren.

Vielleicht hatten sie dazu auch Mitleid mit dieser Familie, die nicht freiwillig in der Stadt Bethlehem war und in der es keine Unterkunft für sie gab. Die nur in einem zugigem Stall Platz fanden und deren Säugling in einer Krippe liegen musste. Mit dem, was sie dort fanden, versuchten sie, ihr Kind warm zu halten, denn es war Winter – auch wenn er für unsere Verhältnisse mild ist, ist es mit unter 10 Grad in der Nacht zu kalt für ein Kleinkind.

Andere Bilder drängen sich auf – Lipa und Moria, Flüchtlingslager, in denen tausende Menschen ausharren müssen, z.T. unter freiem Himmel, ohne auch nur annähernd ausreichende Versorgung mit dem Lebensnotwendigen. Menschen, die ihre Heimat, ihr zu Hause verlassen mussten, die auf gefahrvollen Wegen geflohen sind – viele verloren und verlieren jeden Tag dabei ihr Leben. Diejenigen, die es bis an die Grenzen von Europa geschafft haben, müssen jetzt in den Lagern wieder um ihr Leben fürchten – und die Antwort Europas ist das Militär, dass die Grenzen sichern soll vor diesen verzweifelten Menschen.

Konzerne wie RWE vertreiben überall auf der Welt Menschen aus ihrer Heimat, aus ihren Häusern. Sie tun es einzig wegen des Profits – stellen das Geld über den Menschen. Sie zerstören die Umwelt, die Schöpfung und treiben so die Klimazerstörung immer weiter voran. In der Folge werden immer mehr Menschen zu Flüchtlingen werden, ihr Leben verlieren.

Die Konzerne tun dies mit der Billigung und aktiven Unterstützung von Politikern – wir hier sehen es im Kohlegesetz, im Vorschlag zur neuen Leitentscheidung. Die Erkenntnisse der Wissenschaft-ler*innen werden nicht gehört. Mehr noch, sie werden bewusst unterschlagen, wie wir es gerade erfahren haben – ein Skandal, der aber in Zeiten von Corona kaum wahrgenommen wird.

Und darauf setzt auch RWE und die Landesregierung, wenn sie jetzt hier in Lützerath Häuser abreißen, rücksichtslos und menschenverachtend – die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Häuser, in denen Menschen gelebt haben und noch leben könnten, die Obdach, Schutz und Wärme geben könnten. Statt dessen soll dieses Dorf zu einer Trümmerlandschaft werden – in der Menschen leben.

Die Weisen der Bibel haben sich den Mächtigen widersetzt. Sie sahen das Kind, die Hoffnung, und haben es beschützt. Und es überlebte den Kindermord des Herodes und trat in die Welt – im Kirchenjahr ist heute der Tag Epiphanias, der Tag der Erscheinung Gottes in Jesus, seinem Sohn. Das Licht der Hoffnung war in der Welt und ist es noch heute, auch hier, an diesem Ort, in unserer Gemeinschaft – die Hoffnung, dies Utopie einer anderen, einer gerechten Welt, die alles Leben achtet und in der alle ein Leben in Fülle haben.

Und in dieser Hoffnung werden wir für die Häuser in Lützerath, für dieses Dorf und seine Menschen, um den Segen Gottes bitten.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn.

 

Einladung

Die Abrissgenehmigung ist erteilt: RWE darf ab Januar Häuser in Lützerath zerstören. Damit wird  der Druck auf die Menschen in diesem Dorf – nach der Rodung praktisch aller RWE "gehörenden" Bäume – weiter erhöht: Es droht ein Leben zwischen Trümmern und Schutt. Bilder des zerstörten Orts Immerath, nur einen Kilometer entfernt, drängen sich auf: Der Abriss des "Domes" jährt sich am 9. Januar zum dritten Mal.
Aus diesem Anlaß lädt "Die Kirche(n) im Dorf lassen" ein zum Sternsingen in Lützerath: Wir werden nach kurzer Andacht von Haus zu Haus ziehen, wie es am Dreikönigstag Tradition ist, um die bedrohten Häuser zu segnen. Um ein Zeichen zu setzen gegen sinnlose Zerstörung, gegen das menschenverachtende Vorgehen von RWE in Lützerath, gegen Umsiedlung und Vertreibung weltweit.

Wie immer: Wir sind vorsichtig, halten Abstand, tragen Maske tragen, schreiben uns in die Kontaktliste ein!